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Alles was du über Cannabis wissen musst!

Vorteile von der Legalisierung von Cannabis in Canada

 
 In vielen europäischen Ländern sorgt es noch für Streit, in Kanada gehört es mittlerweile zum Alltag: Cannabis. Seit dem 17. Oktober 2018 ist die Droge bei den nördlichen Nachbarn der USA legal zum Kauf verfügbar. Justin Trudeau, der Parteichef der Liberal Party of Canada, versprach bereits im Wahlkampf 2015, dass er im Fall seines Sieges den grünen Stoff legalisieren werden würde. Es dauerte dann doch etwas länger, vor allem wegen teils heftigem Widerstand konservativer Politiker, doch Trudeau konnte sein Versprechen einhalten.

Seit einem Jahr ist Marihuana nun also in Kanada verfügbar, doch was hat sich verändert? Welche Vorteile brachte die Legalisierung?

Unterschied zwischen medizinischem und „recreational“ Cannabis:

Zunächst muss zwischen den verschiedenen Einsatzzwecken von Marihuana unterschieden werden. Denn auch in Deutschland wird der Stoff als Heilmittel gegen einige Krankheiten zur Schmerzlinderung verschrieben. Vor allem bei Krankheiten, die chronische Schmerzen und Anspannungen hervorrufen, kann Marihuana helfen.
ADHS oder das Tourette-Syndrom sind beispielsweise Krankheiten, gegen die mit Marihuana vorgegangen werden kann. Denn der Wirkstoff entspannt den Körper und etwaige Krämpfe können so bekämpft werden.
Für Menschen mit schweren Krankheiten ist auch in Deutschland der Eigenanbau des Stoffes erlaubt, dennoch sind die Auflagen relativ streng. Auch in Kanada ist die gesundheitliche Nutzung von Marihuana legal. Bereits seit 2001 ist diese Art der Nutzung im nordamerikanischen Land legal, in Deutschland dauerte es dagegen bis 2017, bis ein entsprechendes Gesetz für die gesundheitliche Nutzung verabschiedet wurde.
Nun wurde in Kanada allerdings auch sogenanntes „recreational“ Marihuana legal.
Das bedeutet, der Verzehr des Stoffes zum reinen Genuss, ohne ärztliche Verschreibung, ist nun möglich.
Die beruhigende Wirkung des Stoffes zieht nämlich auch viele Genuss-Nutzer an. Lange war es auch in Kanada illegal, Marihuana nur des Genusses wegen zu konsumieren.

Gegen organisierte Kriminalität:

Natürlich entschied sich Justin Trudeau aus gutem Grund dafür, die Legalisierung von Marihuana zu unterstützen. Er wollte viele Stimmen der jungen und liberalen Wähler für sich gewinnen. Unter dieser Bevölkerungsgruppe war dieses Thema schon lange sehr wichtig.
Trudeau sah seine Unterstützung für Marihuana aber auch als wichtigen Schritt im Kampf gegen die organisierte Kriminalität an.
Denn der Handel des Stoffes war lange in der Hand der organisierten Kriminalität. Der Verkauf konnte so nicht durch den Staat reguliert werden und weitere kriminelle Geschäfte wurden so unterstützt. Illegale Organisationen gewannen weiter an Einfluss und gerade Minderjährige waren oft Kunden bei den Dealern.
Der Staat hat nun die Kontrolle über die Verkäufe des Stoffes übernommen. Unternehmen, die heute Marihuana in Kanada verkaufen, müssen eine entsprechende Lizenz erwerben und werden vom neu eingerichteten Ministerium kontrolliert.
Der Verkauf an Minderjährige ist in diesen offiziellen Läden verboten, bei einem Verstoß droht der Entzug der Lizenz. So soll der Verkauf an Jugendliche effektiv gestoppt werden. Denn obwohl es noch immer illegale Dealer gibt, haben diese in der Zahl stark abgenommen. Der Grund: Offizielle Geschäfte können Marihuana in großen Mengen und über zuverlässige Partner beziehen. Das senkt die Kosten, nicht nur für die Unternehmen, sondern auch für die Kunden. Diese müssen sich auch keine Gedanken machen, ob es gerade Gras zu kaufen gibt. Die Versorgung ist nun zuverlässig.
Die oft teureren und unzuverlässigen Dealer werden so vom Markt gedrängt. Seit der Legalisierung stieg die Zahl der bei legalen Geschäften kaufenden Menschen stetig.
Der organisierten Kriminalität wird so auch der Stecker gezogen, da Banden oft auf die Einkünfte des Grashandels angewiesen waren. Es handelt sich um einen Dominoeffekt, der sich auf weitere Bereiche der organisierten Kriminalität auswirkt und die Straßen so sicherer macht.

Weitere Einnahmen für den Staat und neue Jobs:

Und wo illegale Einnahmen verschwinden, tauchen legale Einnahmen auf. Auf den Verkauf von Cannabis werden Steuern erhoben. Ein Canada Dollar pro Gramm, da kommt eine große Steuersumme für den Staat zusammen.
Hunderte Millionen Dollar pro Jahr hat die kanadische Regierung so zusätzlich zur Verfügung. Geld, das in wichtige Projekte wie die Infrastruktur oder die Sozialsysteme des Landes investiert werden kann.
Im privaten Sektor wurden die Chancen ebenfalls erkannt. Egal ob groß oder klein: Diverse Einkaufsläden wurden seit 2018 speziell für den grünen Stoff eröffnet.
Ein Beispiel, wie die Gesetzesänderung Gemeinden neu belebt hat, ist Smiths Falls. Hier leben knapp 10.000 Menschen, der kleine Ort befindet sich etwa eine Stunde von Ottowa entfernt. Doch seit letztem Oktober herrscht hier Hochbetrieb.
Canopy Growth, der größte Marihuana Produzent des Landes, ist hier der wichtigste Arbeitgeber. Die Mutterpflanzen für die großen Gewächshäuser der Firma werden hier angebaut und unter strengsten Auflagen getestet.
Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil des jetzt legalen Marihuanas: Eine legale Produktion sorgt dafür, dass die Qualität des Produktes steigt. Die Firma kann es sich nicht leisten, ihren Ruf zu verlieren. Bisher war es der anonyme Dealer, jetzt ist es ein Großunternehmen.
In Gemeinden wie Smiths Falls bietet die Marihuana-Industrie Arbeitsplätze, die zuletzt fehlten.
Wie viele Länder wendet sich Kanada von fossilen Brennstoffen ab. Das bedeutet auch die Schließung vieler Kohlebergwerke. In Smiths Falls musste eben ein solches Bergwerk dicht machen. Über 500 Arbeiter wurden entlassen, dann kam Canopy Growth.
Als „Pot Capital of Canada“ ist der Ort nun bekannt. Doch den Bewohnern macht das wenig aus, denn die neuen Arbeitsplätze brachten den Wohlstand und das Leben in den kleinen Ort zurück.

Neue Geschäftsfelder werden möglich:

Die industrielle Produktion ermöglicht es, den Stoff weiter zu erforschen. Neben den klassischen Marihuana-Beuteln zum Rauchen gibt es immer mehr Experimente. Im Oktober 2019 wurde die Verwendung von Marihuana in Lebensmittel erlaubt.
Unternehmen wie Canopy Growth sehen darin die nächste Stufe ihres Geschäftsmodells. Etwa mit Marihuana versetzte Getränke sind der neue Trend, und Investoren sind interessiert.
So verkündete der Geschäftsführer von Canopy stolz, dass ein internationaler Investor 17 % der Firma für vier Milliarden Dollar erworben habe. Die Erwartungen sind groß.
Auch Süßigkeiten mit Grasgeschmack gibt es. Gummibärchen und Kekse sind nur die Spitze des Eisbergs an neuen Produkten. Maximal zehn Milligramm pro Portion werden zugelassen.
Im High-End Bereich hat sich Marihuana unlängst auch etabliert.
Sogenannte Cannabis-Boutiquen, die an Designer Stores erinnern, machen den Kauf zum Erlebnis. Ausgefallene Sorten, neue Lebensmittel und Getränke, exklusive Beratung und natürlich das Gefühl, etwas Besseres gekauft zu haben als in einem normalen Laden, werden hier vermittelt.