CBD bei Epilepsie

Alles was du über Cannabis wissen musst!

CBD bei Epilepsie

Cannabis und seine Wirkstoffe

Cannabis ist eine uralte Kulturpflanze. Sie wird schon seit Jahrtausenden zur Herstellung von Stoffen und Seilen und als Rauschdroge benutzt. Auch die Verwendung im gesundheitlichen Bereich hat eine lange Tradition, obwohl die Wirkzusammenhänge erst seit den 1960er Jahren wissenschaftlich untersucht werden können. Damals entdeckte der israelische Pharmachemiker Raphael Mechoulam die sogenannten Cannabinoide, zuerst die heute bekanntesten Substanzen Cannabidiol (CBD) und Tetrahydrocannabinol (THC). Es handelt sich bei dieser Stoffklasse um stark bioaktive Transmitter, die ihre Wirkung über das einige Jahre später gefundene Endocannabinoid System verbreiten. Das ist ein Netz von Rezeptoren, die auf bestimmte Botenstoffe reagieren. Neben den einige Jahre später gefundenen körpereigenen Endocannabinoiden gehören auch die aus der Cannabispflanze stammenden Phytocannabinoide wie CBD und THC dazu. Die Rezeptorendichte ist in einigen Körperregionen und Systemen wie dem Gehirn und dem restlichen Nervensystem, dem Magen-Darm-Bereich, dem Immunsystem und im Knochen bildenden System sehr hoch. Das deutet darauf hin, dass die Wirkung von Cannabinoiden in diesen Bereichen von besonderer Bedeutung ist. Bis heute sind zwei Rezeptortypen zweifelsfrei identifiziert, über die die Wirkstoffe von Cannabis ihre Informationen verbreiten, die Endocannabinoid Rezeptoren 1 und 2 (CB1, CB2). Weitere werden gerade untersucht.

Die gesundheitliche Bedeutung von Cannabis

Cannabisprodukte werden zwar schon sehr lange bei gesundheitlichen Problemen verwendet. In den Fokus der Medizin und der medizinischen Forschung sind sie aber erst mit der Entdeckung der Cannabinoide gerückt. Der eigentliche Boom setzte erst in den 2000er Jahren ein, nachdem immer mehr Nutzer ihre positiven Erfahrungen bei gesundheitlichen Problemen über die neuen Informationsmedien verteilten. Das gilt vor allem für CBD, das bis dahin im Schatten von THC eine Art Mauerblümchendasein fristete. Die Entwicklung wurde stark durch die positiven Erfahrungsberichte von Betroffenen vorangetrieben. Das Bewusstsein, dass es scheinbar einen Wirkstoff gibt, der ohne Rauschwirkung und fast ohne Nebenwirkungen auskommt und dennoch bei vielen Erkrankungen hilft, hat hier seinen Ursprung. Das weckte natürlich auch das Interesse der medizinischen Forschung und der Pharmazie. In der Zwischenzeit haben sich zahlreiche Studien mit der Wirkung von Cannabis bei gesundheitlichen Problemen befasst und in einigen besonderen Fällen auch die Wirksamkeit nachgewiesen, zum Beispiel beim Dravet Syndrom, einer speziellen Form der kindlichen Epilepsie.

Epilepsie und Epilepsieformen

Eine Epilepsie tritt auf, wenn es aus vorher nicht vorhersehbaren Gründen zu einem epileptischen Anfall kommt. Die Ursache ist eine Funktionsstörung von Nervenzellverbänden im Gehirn, die unvermittelt eine hohe Anzahl an Signalen synchron aussenden. Abhängig von der Lokalisation, der Intensität und der Ausbreitung dieser Signalstörung, können Anfälle mit Einzelsymptomen oder Symptomkombination auftreten. Sie können kurz, lokal beschränkt sein und fast unbemerkt ablaufen, aber auch lange andauern und mit starken Reaktionen im gesamten Körper auftreten. Lebensbedrohlich kann der sogenannte Status Epilepticus sein, bei dem der Anfall nicht spontan aufhört. Die Ursachen einer Epilepsie können sehr vielfältig sein und reichen von vorgeburtlichen Hirnschädigungen über Hirntumoren und Missbildungen im Gehirn oder den Gefäßen bis zu den Folgen von entzündlichen Prozessen und Traumata. Die genauen Zusammenhänge, warum es durch diese Vorbedingungen zu den beschriebenen Entladungen der Neuronenverbände kommt, sind noch nicht geklärt. Typische Symptome eines epileptischen Anfalls können leichte Absencen oder der komplette Bewusstseinsverlust und sensible und motorische Störungen sein, die sich als Muskelzuckungen, Myoklonien genannt, oder als starke Überspannung der Muskulatur äußern.
Schwere Anfälle können lebensbedrohlich sein und zu Hirnschäden, Herzstillstand oder Atemstillstand führen. Der Bewusstseinsverlust und die unkontrollierte Muskelaktivität können Verletzungen durch Stürze, Unfälle und direkte Schädigungen hervorrufen.

Die schulmedizinische Therapie besteht primär in der Gabe von Antiepileptika. Das sind Medikamente, die die Anfälle langfristig oder akut verhindern oder zumindest abmildern sollen. Das übergeordnete Ziel ist das Erreichen einer guten Lebensqualität, bei Kindern zusätzlich die Gewährleistung der normalen motorischen und geistigen Entwicklung. Leider sind die Medikamente häufig mit starken Nebenwirkungen und bei Langzeitanwendung mit Beeinträchtigungen verbunden.
Einige Epilepsieformen sind sehr therapieresistent. Inzwischen hat sich die Gabe von Cannabisprodukten bei bestimmten kindlichen Epilepsieformen als hervorragende Ergänzung oder sogar als Alternative zu den klassischen Therapieverfahren herausgestellt.

CBD und Epilepsie

In den USA ist CBD in vielen Bundesstaaten als Medikament beim sogenannten Dravet Syndrom zugelassen. Das ist eine sehr seltene Form der Epilepsie, die in der Regel zwischen dem 3. und 9. Lebensmonat beginnt. Im weiteren Verlauf entwickeln sich schwere lang andauernde Anfälle, die, einmal in Gang gekommen nicht mehr beeinflussbar sind. Das Dravet Syndrom hat sich nach schulmedizinischen Gesichtspunkten bisher als schwer oder nicht therapierbar herausgestellt. Für die betroffenen Kinder bedeutet das, dass sie in der Regel in ihrer psychomotorischen und geistigen Entwicklung zurückbleiben und vielfältige Folgesymptome entwickeln. Der Alltagsablauf ist meist stark beeinträchtigt und eine ständige Aufsicht ist wichtig. Das belastet nicht nur die Kinder sehr stark, sondern auch das familiäre Umfeld. Vor diesem Hintergrund ist es leicht verständlich, dass die Eltern sich verzweifelt auf die Suche nach Therapiealternativen machen. Und genau das ist in den USA gelungen. Die Eltern betroffener Kinder haben festgestellt, dass sich durch die Gabe von Cannabis, sowohl die Länge als auch die Häufigkeit und vor allem die Schwere der Anfälle deutlich reduzieren lässt. Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass sich eine Elterninitiative gebildet hat, die für die Zulassung von CBD als Medikament für diese Erkrankung demonstriert hat. Aufgeweckt durch dieses Engagement wurde eine Studie initiiert, die die Erfahrungen der Eltern bestätigen konnte. Ein Ergebnis der wissenschaftlichen Forschung ist, dass ein direkter Zusammenhang zwischen der Aktivierung des CB1 Rezeptors durch THC und der Reduzierung der Anfallsschwere besteht. Der gleiche Effekt wurde auch bei der Gabe von CBD festgestellt, obwohl es eigentlich hemmend auf diesen Rezeptor wirkt. Allerdings war das ein Glücksfall, da Cannabidiol keine psychoaktive Wirkung hat und deshalb für Kinder als Medikament besser geeignet ist als THC. Letztlich führten diese Erkenntnisse dazu, dass CBD in der Zwischenzeit in vielen Bundesstaaten als Medikament für Kinder mit dem Dravet Syndrom verschrieben werden kann. Das hilft nicht nur den Kindern und Eltern in ihrer Lebensgestaltung und bei der Lebensqualität. Es stellt auch eine finanzielle Entlastung dar und das auch noch ohne Nebenwirkungen.
Derzeit wird überprüft, ob die beschriebenen positiven Wirkungen auch auf andere Formen der Epilepsie bei Kindern und auch bei Erwachsenen übertragbar sind. Die Berichte von Betroffenen deuten jedenfalls darauf hin, dass es so ist.