Cannabis & CBD bei ADHS

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Cannabis & CBD bei ADHS

Cannabis – Illegale Droge oder heilendes Psychopharmakon bei ADHS?

Wenn man Cannabis hört, denken viele Leute zuerst an Jugendliche, die zum Spaß Joints konsumieren. Jedoch erlangt Cannabis in den letzten Jahren einen immer größeren Stellenwert in der Therapie unterschiedlichster Krankheiten. Doch wie wirkt Cannabis im Körper und welche Auswirkung haben Cannabinoide auf ADHS? Auf welche neurologischen Ursachen ist diese Wirkung zurückzuführen?

Endocannabinoid-System

Bei Endocannabinoiden handelt es sich um Transmitter, das heißt Botenstoffe im menschlichen Körper. Sie haben einen großen Einfluss auf Hippocampus, Kleinhirn und Basalganglien, was die Vermutung nahelegt, dass das Endocannabinoid-System Bewegungsabläufe und das Gedächtnis moduliert.

In diesem Transmitter-System unterscheidet man zwischen zwei Rezeptor-Typen: Der häufigere CB1-Rezeptor hemmt unter anderem die Schmerzwahrnehmung und der CB2-Rezeptor spielt eine Rolle bei der Regulation des Immunsystems.

Cannabinoide

Exogene Cannabinoide wie Cannabidiol wirken als Agonisten zu den Endocannabionoiden. Das heißt, dass sie im Körper dieselbe Reaktion hervorrufen, wenn sie an den Rezeptoren in der postsynaptischen Membran binden.

Aus diesem Grund treten folgende Wirkungen bei Cannabis auf:

  • Schmerzreduktion
  • Verminderung von Übelkeit
  • Appetitanregung
  • Blutdrucksenkung
  • antiinflammatoirsche Wirkung
  • euphorisierende und beruhigende Wirkung

In Cannabis sind verschiedene Cannabinoide vorhanden. Zum Beispiel das bekannte Tetrahydrocannabinol (THC), das für die psychotrope Wirkung ausschlaggebend ist, aber auch Cannabidiol (CBD). Bei CBD handelt es sich um eine bestimmte Form, die aus dem weiblichen Hanf gewonnen wird und über eine besonders geringe Psychoaktivität verfügt. Deswegen wird CBD häufig im medizinisch-therapeutischen Bereich verwendet.

Rechtslage für medizinisches Cannabis

Auf Grund der hervorragenden therapeutischen Effekte ist die Cannabis-Legalisierung ein heiß umstrittenes Thema. Die Rechtslage hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. Während in den Zweitausendern Cannabiskonsum juristische Folgen wie Geld- bis hin zu Haftstrafen nach sich zog, wurde 2011 Cannabis für die Behandlung für Mutiple Sklerose zugelassen.

Cannabis, das neben CBD weitere Cannabinoide enthält, ist in Deutschland nicht frei verkäuflich, sondern fällt unter das Betäubungsmittelgesetz. Somit gilt Cannabis als verschreibungspflichtig.
Im März 2017 wurde ein Gesetz verabschiedet, das eine Kostenübernahme der Cannabis-Therapie durch die Krankenkasse erlaubt. Auch wenn im Gesetzestext keine konkreten Krankheiten genannt wurden, existiert jedoch eine Einschränkung, die besagt, dass es sich um eine schwerwiegende Symptomatik handeln müsse und dass nur eine Kostenübernahme stattfinde, wenn keine adäquate Standardtherapie existiere. Aus diesem Grund werden momentan noch nicht in allen der folgenden Anwendungsbereiche die Therapie-Kosten von der Krankenkasse übernommen.

Medizinische Verwendungszwecke von Cannabis

Durch seine schmerzlindernde Wirkung eignet sich Cannabis für die Therapie von Migräne und vielen Erkrankungen, die von chronischen Schmerzen begleitet werden. Seine euphorisierende und beruhigende Wirkung begünstigt die Anwendung bei Patienten mit depressiven Verstimmungen und Angststörungen.

Die appetitanregende und Übelkeit reduzierende Wirkung ermöglicht es, dem Gewichtsverlust nach Chemo-Therapien und bei AIDS-Patienten entgegenzuwirken. Des Weiteren findet Cannabis häufig bei Patienten mit Multiple Sklerose, Epilepsie, Tourette-Syndrom und ADHS Anwendung.

Was ist ADHS?

Bei ADHS handelt es sich um eine psychische Störung, von der besonders Kinder, aber auch zahlreiche Erwachsene betroffen sind. Ausgesprochen bedeutet es Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom.
Nach dem Diagnose-Handbuch „International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems“, kurz ICD-10 geht eine ADHS-Erkrankung mit Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität einher.

Betroffene weisen Konzentrationsschwierigkeiten, einen erhöhten Bewegungsdrang und Einschränkungen bei der Handlungsplanung auf. Des Weiteren klagen sie über innere Unruhe.
Eine verwandte psychische Erkrankung stellt ADS dar. Die Symptome ähneln stark denen von ADHS, jedoch prägen die Betroffenen keine Anzeichen einer Hyperaktivität aus.

Die neurobiologischen Ursachen lassen sich mit der Monoamin-Defizit-Hypothese erklären. Sie postuliert, dass die Botenstoffe Noradrelanin, Serotonin und vor allem Dopamin in zu geringem Maße im Gehirn vorkommen. Noradrenalin-Mangel schränkt Motivation ein, während zu wenig Serotonin zu einer geminderten Impulskontrolle führt. Durch den Mangel an Dopamin treten Einschränkungen im Belohnungszentrum des Gehirns auf, was dafür sorgen kann, dass es schwer fällt, sich auf Aufgaben zu konzentrieren, die nicht als lohnend eingeschätzt werden.
Studien haben gezeigt, dass auch das Endocannabinoid-System an der Ausbildung von ADHS beteiligt ist, da dieses ebenfalls Einfluss auf den Dopaminhaushalt im Gehirn nimmt.

Des Weiteren liegt bei ADHS-Patienten das Arousal, der Grad der Aktivierung im zentralen Nervensystem, unter dem Normwert.
Zurzeit wird ADHS aus diesem Grund begleitend zur Psychotherapie mit dem Psychopharmakon Ritalin therapiert. Hierbei handelt es sich um einen Wiederaufnahmehemmer. Das heißt, dass der Dopamin-Mangel im postsynaptischen Element ausgeglichen wird.

Cannabis und ADHS

Da Cannabinoide ebenfalls als Modulatoren für das Dopamin fungieren, kann man Cannabis einsetzen, um den Dopaminmangel bei ADHS entgegenzuwirken. Des Weiteren bringt der Konsum verschiedener Cannabinoide die Hirnaktivierung zu einem mittleren Arousal. An diesem Punkt sind die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden am höchsten.
Die Forschung zu den positiven Auswirkungen von Cannabis auf ADHS steht noch am Anfang, jedoch werden in vielen Erfahrungsberichten von einem Rückgang der Symptomatik bei Cannabiskonsum berichtet.
Auch eine Fallstudie der Universität Heidelberg beschäftigte sich mit dieser Thematik. Hierbei gelang es bei einem Probanden, nahezu alle Symptome der ADHS-Erkrankung mit Cannabinoiden zu vermindern. So nahm die innere Unruhe ab, er verhielt sich beherrschter und seine Leistungsfähigkeit wurde in keiner Weise eingeschränkt.
Eine größer angelegte Studie aus dem Jahre 2017 wies nach, dass ADHS-Patienten nach einer Behandlung mit einem Mundspray namens Sativex, welches mit THC und CBD versetzt ist, eine signifikante Verbesserung in der Hyperaktivitäts-Symptomatik aufweisen.

Trotz der gefundenen positiven Auswirkungen des Cannabis auf ADHS-Patienten werden medizinische Cannabinoide nicht als Therapiemethode anerkannt. Dies entschied das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen, als ein 31 Jahre alter Mann aus Göttingen versuchte, gerichtlich die Kostenübernahme seiner Cannabis-Medikation bei ADHS durch seine Krankenkasse zu erreichen.
Das Gericht berief sich zur Begründung der Ablehnung des Antrags auf das Gesetz aus dem Jahre 2017, weil bei ADHS eine wirksame Standardtherapie mittels Ritalin existiere und die Vorteile des Cannabis nicht nachgewiesen seien.

Cannabinoide und Ritalin im Vergleich

Bei Ritalin handelt es sich um ein Phenylethylamin und somit ein Stimulans, das die Wiederaufnahme der Transmitter Dopamin und Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt hemmt. So wird der Mangel an diesen beiden Botenstoffen ausgeglichen, sodass die ADHS-Symptome vermindert werden.

Jedoch kommt es bei einer Ritalin-Therapie häufig zu Nebenwirkungen wie Wachstumsverzögerungen bei Kindern, Nervosität, Übelkeit und Erbrechen, depressiven Verstimmungen, Schwindel und Schlaflosigkeit.
Währenddessen wurden bei einer verantwortungsbewussten Cannabinoid-Medikation noch keine Nebenwirkungen festgestellt. Im Gegenteil sogar. Durch seine stimmungsaufhellende Wirkung ist Cannabis in der Lage, depressiven Stimmungen entgegenzuwirken, anstatt sie zu begünstigen. Auch die durch Ritalin induzierte Schlaflosigkeit würde bei einer durch Cannabis unterstützten ADHS-Therapie ausbleiben.

Fazit

Ob und welche Veränderungen es im Bezug auf die Gesetzeslage für die Anwendung von medizinischen Cannabinoiden gibt, wird sich zeigen. Fest steht, dass Cannabis eine positive Auswirkung auf viele Krankheitsbilder und im konkreten Fall erläutert auf ADHS mit sich bringt und eine wertvolle Ergänzung zu den herkömmlichen Therapiemethoden bietet.